Drill Musik und Alice Weidel

von Klaus Miehling

Offenbar gibt es in der Gewaltmusik-Szene wieder etwas Neues (Dank an Felix Peter für den Hinweis!):

„Eigentlich kommt Drill Musik aus Chicago, sie klingt trappig und zeichnet sich vor allem durch eine Sache aus: krass gewaltverherrlichende Texte. Fast in jedem Song wird genau beschrieben, wie und wo jemand erstochen werden soll. […] 2017 wurden in England so viele Jugendliche erstochen wie schon lange nicht mehr – 39 insgesamt. In diesem Jahr sind es allein schon in London 45.“

https://www.br.de/puls/musik/aktuell/drill-musik-in-grossbritanien-100.html

Die Autorin dieses Textes meint: „Es ist das berühmte Henne-und-Ei-Problem: Gibt es so viel Gewalt in Londons Straßen, weil sie in den Texten der Drill-Musiker so präsent ist? Oder gibt es so viele explizite Texte in der Drill-Musik, weil deren Protagonisten aus abgefuckten Vierteln kommen, in denen das Leben einfach brutal ist?“ Anstatt dieser Frage aber wirklich nachzugehen, behauptet sie einfach im Sozialarbeiter-Jargon: „Eigentlich ist Drill-Musik eine Art der Jugendlichen zu sagen: Hey, uns geht’s hier ziemlich dreckig. Und das ist das eigentliche Problem, das die Politiker in Angriff nehmen sollten: Jungen Leuten eine Perspektive geben – anstatt die Schuld einer Musikrichtung in die Schuhe zu schieben.“

Wie ich hier nicht zum hundertsten Mal nachweisen muss, ist Gewaltmusik sehr wohl für Werteverfall und gestiegene Kriminalität verantwortlich. Heutzutage wäre es dank Weltnetz nun wirklich nicht mehr schwierig, sich darüber zu informieren. Aber man bleibt lieber bei seinen Vorurteilen.

Noch ein kurzer Kommentar zum Ordnungsruf gegen Alice Weidel: Die kritisierte Passage „Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse“ kann man auf zweierlei Art interpretieren, da nicht eindeutig ist, ob sich „sonstige Taugenichtse“ nur auf die „Messermänner“ oder eben auch auf die „Kopftuchmädchen“ bezieht. Normalerweise gilt „im Zweifel für den Angeklagten“. Bei der AfD offenbar nicht.

ist deutscher Cembalist, Komponist und Musikwissenschaftler.

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