Die deutsche Lust am Niedergang

In einem Gastkommentar für die NZZ schreibt Wolfgang Bok einen lesenswerten Beitrag zum derzeitigen Zustand der deutschen Politik


Wolfgang Bok:
„Wer die Politik in Deutschland verfolgt, den überkommt Unbehagen. Wo bloss sind Tatkraft und Willensstärke hin? Die Deutschen scheinen sich selbst ein Bein nach dem anderen stellen zu wollen. Sie gefährden damit nicht nur ihren Wohlstand.

Die Deutsche Bank ist das letzte deutsche Geldhaus, das noch in der internationalen Finanz-Liga mitspielen darf – wenn auch abgeschlagen auf den Abstiegsplätzen. Man sollte also erwarten, dass die Politiker einer bedeutenden Exportnation am Erhalt dieser für ihre Unternehmen wichtigen Institution interessiert sind. Aber nein: Lieber empört man sich über Bonuszahlungen für Banker. Das kommt in der deutschen Neidgesellschaft immer gut an. Hilfe kann die Deutsche Bank von der Politik nicht erwarten.

Dasselbe Spiel bei der Automobilindustrie, die noch immer jeden achten Arbeitsplatz in Deutschland stellt – und sogar gut bezahlt. Jede Ungeschicklichkeit wird zum Gross-Skandal aufgeblasen. Kein Politiker wagt es, diese für den eigenen Wohlstand so wichtige Branche gegen überzogene Anfeindungen und Auflagen, sei es aus Washington oder aus Brüssel, in Schutz zu nehmen. Man rollt sogar den roten Teppich aus für asiatische Batterie- und amerikanische Elektroautobauer. Und die Metallgewerkschaft nutzt die Gunst der Stunde, um den Einstieg in die 28-Stunden-Woche zu erstreiken. Was deutsche Produkte noch teurer macht.
Fernsolidarität statt Eigeninteresse

Sehenden Auges lässt sich Deutschland in eine europäische Haftungs-, Schulden- und Sozialunion hineinziehen. Die Grosskoalitionäre Merkel (CDU) und Schulz (SPD) feiern den drohenden Bruch mit den stets beschworenen Stabilitätsregeln auch noch als «europäisches Zukunftsprojekt».

Dass auch Emmanuel Macron in der französischen Tradition steht, wonach seinem Land keine Last zu gross ist, solange Berlin dafür bezahlt, wird dort nicht einmal zur Kenntnis genommen. Lieber empört man sich über die Amerika-first-Politik des amerikanischen Präsidenten Trump – und übersieht, dass jeder Regierungschef zunächst einmal die Interessen seines Landes vertritt. Man mag in Davos und bei sonstigen Weltkongressen den freien Welthandel beschwören; in Wahrheit ist vielen jedoch jeder protektionistische Kniff recht, um die eigene Wirtschaft zu schützen. Vor allem China kennt keine Skrupel, Märkte zu besetzen und seine Macht auszuweiten. …“

Mehr im Artikel in der NZZ

Dr. Wolfgang Bok war Chefredaktor der «Heilbronner Stimme» und arbeitet heute als freier Publizist. Er lehrt an der Hochschule Heilbronn Kommunikation.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Gedanken zu “Die deutsche Lust am Niedergang

  1. Solange die Merkel- Clique nach der Pfeife der SPD-Grüne-Linke-Bande tanzt, bleibt die Katastrophe nicht aus. Die Automobilindustrie ist die einzige, noch verbliebene Schlüsselindustrie Deutschlands, welche aber bereits bedenklich wankt. Schuld ist daran auch der fatale Schulterschluß der Dumm-Politiker mit den Lobbyisten der Autoindustrie mit deren Dummy- Managern.

  2. Martin Schulz – die Lichtgestalt

    Man muss wissen wir befinden uns in der sogenannten 5. Jahreszeit.
    Dieses Treiben kennen die Berliner aber nicht und dort ist offensichtlich statt Fasching der Irrsinn ausgebrochen.

    Wenn 4 Wochen nachdem Martin Schulz den Vorsitz bei der SPD übernommen hat, Bundestagswahlen gewesen wären, dann wäre der „Heilige St. Martin“ heute Kanzler der Bundesrepublik.

    Was für eine Hyphe war das seinerzeit?
    Der „Heilsbringer“ ist gekommen! Halleluja

    Und heute?
    Der rote 100%-St. Martin, gestartet als der Retter der SPD, ist im Niemandsland gelandet, als glatter Versager.

    Martin Schulz schloss vor der Wahl aus, dass er im Kabinett Merkel eine Position übernehmen würde.

    Die Wahl ging krachend verloren und die SPD sagte 3 Minuten nach der Wahl: Opposition

    So eine Partei soll jetzt mit den anderen Wahlverlierern die neue GroKo bilden? Und dann wollte der Mann entgegen seiner Aussage auch noch Außenminister werden?

    Das akzeptiert nicht mal die SPD-Basis, deshalb der Rückzieher von Schulz, dem Wendehals.

    Was haben die Wähler nur für ein „Spitzenpersonal“ nach Berlin gewählt? Mir kommt das Grausen vor der Zukunft.

Kommentare mit [verlinkter] Werbung werden automatisch als Spam eingestuft und nicht veröffentlicht. Das Einkopieren fremder Texte und Verlinkungen sind untersagt.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.