Stalingrad: Gedenken und Verpflichtung.

von Joachim Schäfer


Pressemitteilung vom 02.Februar 2018 von der Fraktion der LINKEN im Bundestag: Eine Antwort.

Zum 75. Jahrestag des Endes der Schlacht von Stalingrad haben Frau Wagenknecht und Herr Bartsch vor einigen Tagen zu einer Gedenkfeier aufgerufen, Im Sinne der kommunistischen Propaganda wird die deutsche Niederlage in dem Aufruf als positives Ereignis beschrieben.
Tatsächlich wurde der Sieg der sowjetischen Truppen auch von vielen Russen in den deutsch besetzten Gebieten als bedrohende Niederlage empfunden. Nach Professor Seidel von der Bundeswehr-Akademie kämpften bis zu zwei Millionen Russen an der Seite der deutschen Truppen und ihrer Verbündeten, die vor allem im Hinterland zum Schutze der Dörfer gegen die Partisanen eingesetzt wurden. Der Sieg der Partisanen in großen Gebieten ging vor allem auf ihre größere Brutalität und später dann auch auf ihre größere Feuerkraft zurück.
Obwohl mit der Eroberung Stalingrads die endgültige deutsche Niederlage möglich erschien, nahm die bald darauf folgende Anwerbung ukrainischer Truppen in Lemberg zur Bildung einer mannschaftsstarken Einheit namens „galizische SS-Division“ einen erfolgreichen Verlauf. Nichts kann überzeugender belegen, dass die russische Bevölkerung die Ankunft der Deutschen als Befreiung empfunden haben. Dass Hitler einem russischen Angriff auf Deutschland nur wenige Tage zuvorkam, dass also der Angriff auf Rußland einen völkerrechtlich erlaubten Präventivschlag darstellte, wird heute von wichtigen russischen Historikern nicht in Frage gestellt.
Der deutsche Einmarsch in Rußland war daher weder ein Angriffs- noch ein Vernichtungskrieg, wie die Abgeordneten Bartsch und Sahra Wagenknecht in ihrem Stalingrad-Aufruf uns glauben machen wollen. Die Behauptung beweist dagegen, dass die beiden Bundestagsabgeordneten, was besonders für Frau Wagenknecht gilt, trotz ihrer bewundernswerten Intelligenz sich nicht von den Märchen lösen können, die man ihnen einstmals zu DDR-Zeiten eingeflößt hat. So sieht Indoktrination aus !
Am 25. Juli 1941 hat Hitler 300.000 gefangene Angehörige der Roten Armee entlassen, bevor also die großen Schlachten des Jahres geschlagen waren. Das ist doch das genaue Gegenteil von einem Vernichtungskrieg, von dem jene beiden „Linken“ reden. UND: keiner unserer Gegner hat je eine solche Großzügigkeit gezeigt.
Angesichts dieser Tatsachen erscheinen die Angaben im Aufruf der Frau Wagenknecht und des Herrn Bartsch als kommunistisches Propaganda- Chinesisch, weit entfernt von einer sachlichen Darstellung.
Die verlustreichste Schlacht im 2. Weltkrieg war übrigens nicht Stalingrad, wie im Pamphlet behauptet wird, sondern die Schlacht um Rschew, die sich über ein Jahr hinzog. Der russische Feldherr Schukow schaffte es, in etwa 40 kleineren und größeren Angriffen seinen eigenen Truppen über zweieinhalb Millionen Verluste zu bescheren, wie ein Biograph des großen Strategen zu berichten weiß.
Herr Schukow hatte die Idee, beim Vorstoß seiner Truppen jeweils nur die erste Angriffslinie zu bewaffnen, während die nachfolgenden Soldaten waffenlos den deutschen Linien entgegenstürmten mit dem Auftrag, die Waffen von den vor ihnen gefallenen Rotarmisten wieder aufzunehmen. War also die erste Reihe der Angreifer von den Deutschen außer Gefecht gesetzt worden, konnten die nachfolgenden Soldaten ohne Gegenwehr von den deutschen Maschinengewehr-schützen niedergemäht werden. Berichte von Leichenbergen gefallener Sowjet-Krieger in der Schlacht um Rschew kündeten von der Weisheit des Strategen Schukow. Die Vokabel vom Kanonenfutter paßt zur Situation.
Haben die Deutschen in Rußland einen Vernichtungskrieg geführt ?
Ein Schweizer Freund von mir hat eine Weißrussin geheiratet. Als ich ihn im Dezember 2017 in Minsk anrief, wurde dort gerade der 91. Geburtstag seiner Schwiegermutter gefeiert. Die war also gerade 16 bis 19 Jahre alt, als ihr Ort von den Deutschen besetzt war. Auf meine Bitte hin fragte er (als Schweizer!) seine Schwiegermutter, wie sie die Deutschen in Erinnerung hatte. Die erste Auskunft einer längeren Erklärung war: „Die deutschen Soldaten waren freundlich und hilfsbereit.“
Der Kampf der sowjetischen Partisanen dagegen war von unmenschlicher Grausamkeit. Diese Vorgehensweise war beabsichtigt und befohlen. Tausende von Berichten wie der folgende zeigt eine Kampfesweise, die den Deutschen fremd ist. Beispiel. August 1943: „Partisanen überfallen fünf Personenwagen der Zivilverwaltung Krimianez und ermorden sämtliche 13 Insassen. Unter diesen befinden sich zwei als solche gekleidete und erkenntliche Rotkreuz-Schwestern. Diese werden entkleidet und vergewaltigt. Bei lebendigem Leibe werden ihnen die Brüste abgeschnitten.“
August 1943: „Südlich der Straße Puschkinskyje-Gory werden 86 Angehörige einer Wehrmacht-Bau-Kompanie von russischen Partisanen überfallen und niedergemacht. Die Leichen liegen nackt im Felde verstreut. Die Augen sind ausgestochen, Ohren, Nasen und Geschlechtsteile sind abgeschnitten, die Leiber aufgeschlitzt.
Zehntausende solcher Berichte wurden von der Wehrmacht zusammengestellt.
Dass diese Vorgehensweise mit Gräueltaten der deutschen Polizeiverbände und der Einsatzgruppen beantwortet wurde, ist zu bedauern, aber menschlich verständlich. Am 19. März 1943 wurde unter gewissen Umständen auch die Erschießung von Kindern und das restlose Niederbrennen von Dörfern erlaubt. Da ich hier eine realistische Darstellung geben will, muß ich fairerweise auch diesen Umstand anführen. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass die Partisanen auch Kinder als Spione und auch im Partisanenkampf eingesetzt haben.
Ich persönlich habe im Zweiten Weltkrieg mit und gegen Russen gekämpft. Meine Gefühle sind durchaus zwiespältig. Ich möchte heute jedoch mit dem russischen Volk in Frieden leben und hoffe, dass unsere Regierung im Hinblick auf Rußland eine friedenserhaltende Politik verfolgt.
Zurück zu dem Appell der Linken. Ich empfinde den Appell der Frau Wagenknecht und des Herrn Bartsch als unehrlich. Die Wahrheit wird verfälscht. Im Lichte meiner Einwände möchte ich noch einmal den Hauptteil des von mir beanstandeten Aufrufs jener beiden Abgeordneten anführen.
„In Zeiten, in denen Abgeordnete im Bundestag sitzen, die die deutschen Verbrechen des 2. Weltkrieges relativieren, auf die „Leistungen“ der Wehrmacht stolz sind und die historische Leistung der Roten Armee negieren, braucht es eine feierliche Erinnerung an den Anfang vom Ende des von Deutschland ausgelösten Weltkrieges.“ Und; „Es war kein normaler Krieg, es war ein deutscher Angriffs- und Vernichtungskrieg, der alle bis dahin gekannten Zivilisationsstandards außer Kraft setzte.“ (Etwas gekürzt).
Da ist fast jedes Wort falsch. Dieser Text ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich um eine gediegene Sicht der Dinge bemühen, auch besonders was unsere Vergangenheit betrifft, ein Stück Verworfenheit, wo man eine aufrechte Würdigung erwarten sollte.

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Ein Gedanke zu “Stalingrad: Gedenken und Verpflichtung.

  1. Solche Tatsachen und Berichte passen nicht in das Bild des linken Gesocks. Auch über das
    Schicksal der Stalingrad- Armee wird geflissentlich geschwiegen. Von dem Vernichtungsmarsch
    dieser Armee nach der Gefangennahme, dem 95000 Soldaten zum Opfer fielen, erfolgt keinerlei
    Resonanz. Viel dramatischer erscheint die Erschießung von süditalienischen Partisanen, wobei dies
    gängige Praxis von allen Armeen ist.

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